Musik – Nutzung von Musik in der Neurorehabilitation

Neugierde

Frau hohen Alters hört Musik und freut sich dabei

Musik – Nutzung von Musik in der Neurorehabilitation

Musik ist für viele Menschen ein Teil ihres Lebens, egal ob man „nur“ gerne Musik hört oder diese sogar selbst praktiziert. Musik kann Emotionen auslösen und beeinflussen, Erinnerungen wecken und verschiedenste Situationen in unserem Leben beeinflussen.

Da Musik die Fähigkeit hat, Emotionen auszulösen, kann durch sie eine wohltuende Atmosphäre geschaffen werden. Dadurch wird Musik auch häufig in der Frührehabilitation nach einem Schlaganfall eingesetzt, aber auch im späteren Therapiealltag. Da Musik in vielen verschiedenen Hirnregionen verarbeitet wird, kann man mit ihr sogar komatöse Patienten am Leben oder einer Therapie teilhaben lassen. Das heißt Musik kann auch Menschen, die ihre Umwelt nicht mehr oder nur sehr stark eingeschränkt wahrnehmen können, erreichen.

Eine Musiktherapie ist demnach der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen einer Therapie zur Wiederherstellung, Förderung und Erhaltung seelischer und körperlicher Gesundheit. Es gibt viele verschiedene Anwendungsgebiete von Musiktherapie, unter anderem wenn ohne Musik nur eine eingeschränkte Therapiemotivation vorliegt oder Unruhe, Depressionen, Antriebsstörungen, motorische Einschränkungen oder auch eine Aphasie gegeben ist. Gerade bei Sprachverlust kann eine Musiktherapie helfen: Sprache und Musik sind im Gehirn sehr eng miteinander verbunden, beide können Informationen und Gefühle vermitteln und ermöglichen Kommunikation. Deshalb kann bei einer Aphasie Musik als eine Art nonverbales Kommunikationsmittel genutzt werden und somit Menschen wieder Kontakt zu anderen ermöglichen.

Musik wird nicht nur in vielen Hirnbereichen verarbeitet, sie aktiviert auch viele verschiedene Prozesse im Gehirn. Sie stimuliert vor allem die Regionen, die durch den Schlaganfall geschädigt wurden. Durch die Aktivierung dieser Nervenzellen fließt dort wieder mehr Blut und somit mehr Sauerstoff. Das wiederrum kann zur Bildung neuer Synapsen führen, die die Funktionen der geschädigten Bereiche übernehmen können. In einigen Bereichen können sogar neue Nervenzellen gebildet werden!

Gerade deshalb kann Musik dir in der Therapie helfen! Alles, was du neu lernen oder umlernen musst, muss geübt werden – je mehr Spaß und ein gutes Gefühl du bei dem Üben hast, desto besser kann das Gehirn das Neue verarbeiten. Zudem sorgen die damit verbundenen Emotionen dafür, dass du dranbleibst und nicht die Lust verlierst. Es konnte z.B. in einer Studie gezeigt werden, dass Schlaganfallpatienten sich besser erholten, wenn sie täglich Musik hörten und dass das Hören von Musik einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten und emotionale Befindlichkeiten hatte. Gerade das Sprachgedächtnis verbesserte sich hier deutlich, depressive Verstimmungen wurden weniger und die Teilnehmer zeigten weniger Verwirrtheit.

Musiktherapie funktioniert allerdings nur dann, wenn dein Therapeut oder deine Therapeutin, dich und deinen Musikgeschmack sehr gut kennt. Dich aktiviert und motiviert vielleicht klassische Musik – eine andere Person wird durch diese Musik eher traurig oder müde. Dementsprechend ist der Erfolg der Therapie von deiner aktuellen Stimmung, deinen bisherigen Erlebnissen, musikalischen Vorlieben und vielen weiteren Faktoren abhängig, die du mit deinem Therapeuten oder deiner Therapeutin vorab besprechen solltest.

Quellen:

Frommelt, P., & Lösslein, H. (Eds.). (2011). NeuroRehabilitation: Ein praxisbuch für interdisziplinäre teams. Springer-Verlag.

Bernatzky, G., & Presch, M. (2010). Musik und Gedächtnis. In Gedächtnistraining (pp. 106-112). Springer, Berlin, Heidelberg.

Koelsch, S. (2019). Good Vibrations: Die heilende Kraft der Musik. Ullstein Buchverlage.