Neuronale Plastizität: Was Straßen und das Gehirn gemeinsam haben

Neugierde

Darstellung eines Gehirns aus Straßen.

Neuronale Plastizität: Was Straßen und das Gehirn gemeinsam haben

Vielleicht warst du nach deinem Schlaganfall in einer Reha-Klinik und konntest dort viele deiner verloren gegangenen Fähigkeiten wieder erlernen. Gerade im Alltag angekommen, merkst du jedoch, dass sich diese Fähigkeiten, eventuell wieder verschlechtern oder neu Erlerntes vermeintlich wieder verloren geht. Das ist ein häufiger Effekt und wir erklären dir in diesem Artikel, warum das so ist und wie du das Verlernte wieder aufholen kannst.

Dein Gehirn besitzt durchschnittlich 100 Milliarden Nervenzellen, sogenannte Neuronen. Ein Neuron besitzt bis zu 10.000 „synaptische Verbindungen“ zu anderen Neuronen. Über diese Verbindungen kommunizieren Neuronen miteinander und geben Befehle weiter. Durch einen Schlaganfall können einige Neuronen und ihre Verbindungen untereinander zerstört werden. Je nachdem, in welchen Gehirnregionen Neuronen zerstört werden, kommt es zu unterschiedlichen Beeinträchtigungen: von einer Aufmerksamkeitsschwäche bis hin zu einer gelähmten Körperhälfte.

Doch dein Gehirn ist unglaublich schlau und faszinierend! Es ist nämlich dazu imstande, ein Leben lang zu lernen und sich umzustrukturieren – es ist plastisch. Dein Gehirn kann neue Verknüpfungen zwischen Neuronen herstellen und sogar neue Neuronen bilden. Wenn du heute zum Beispiel etwas Neues dazu lernst, könnte man nach 20 Minuten bereits neue Verknüpfungen nachweisen. Das ist, als würden neue Straßen in deinem Gehirn gebaut werden! Wenn du jedoch nicht konsequent übst und konsistent dranbleibst, geht dein Gehirn davon aus, dass diese Straße gar nicht so wichtig ist – und baut die neuen neuronalen Verbindungen wieder ab.

Doch was dir Mut machen darf, ist Folgendes: Wir wissen heute, dass es bis in hohe Alter möglich ist, dein Gehirn neu zu verschalten. Durch viel Übung kannst du einiges wiedererlernen! Stelle dir vor, der noch junge und schmale Weg zwischen Neuronen in deinem Gehirn wird überwuchert bis er wieder verschwunden ist. Die neuen zarten Pfade sind noch zu dünn, als dass vier bis sechs Wochen intensives Training ausreichen würden. Die Reha allein genügt also nicht. Das Training muss zu Hause fortgeführt werden, damit aus dem holprigen Weg eine schöne, breite Straße entstehen kann. Routine ist demnach unverzichtbar – vor allem im Alltag!

In der Reha-Klinik hast du sehr regelmäßig an Therapien teilgenommen, welche vielleicht seither nicht mehr so häufig stattfinden. Die Regel ist eine Folgeverordnung für Physiotherapie mit durchschnittlich 2 Terminen die Woche und vielleicht kommt noch eine Verordnung mit einer ähnlichen Sequenz für Ergotherapie hinzu. Tendenziell werden die Verordnungen irgendwann sogar gekürzt. Das ist nicht viel, trotzdem kannst du versuchen, das dort Gelernte regelmäßig in deinen Alltag einzubinden. In der Reha-Klinik hast du sehr regelmäßig an Therapien teilgenommen, welche vielleicht seither nicht mehr so häufig stattfinden. Die Regel ist eine Folgeverordnung für Physiotherapie mit durchschnittlich 2 Terminen die Woche und vielleicht kommt noch eine Verordnung mit einer ähnlichen Sequenz für Ergotherapie hinzu. Tendenziell werden die Verordnungen irgendwann sogar gekürzt. Das ist nicht viel, trotzdem kannst du versuchen, das dort Gelernte regelmäßig in deinen Alltag einzubinden. Generell gilt, konsequent dabei zu bleiben und von der neuronalen Plastizität zu profitieren, um dann mutig und eigenverantwortlich an den eigenen Einschränkungen zu arbeiten. Täglich 30-60 Minuten sind zu empfehlen, aber das Wichtigste ist wirklich, dass du regelmäßig überhaupt etwas machst (auch wenn es mal nur 10-15 Minuten sind).  Ein, zwei Tage Pause die Woche dürfen und sollen aber sein. Das Gehirn arbeitet weiter und sogar noch besser, wenn es ab und an Entspannungsmomente erfährt.

So, und jetzt zu dir: Was machst du mit diesem neuen Wissen über die neuronale Plastizität und die Möglichkeiten des Gehirns? Lass dir zum Beispiel von deinen Ergo- und Physiotherapeut:innen Tipps geben, wie du daheim dein Training erweitern könntest und nutze auch unsere Anregungen, regelmäßig zu üben. Mache dir klar: Der Weg ist das Ziel – wortwörtlich!

Quellen:

Bock, J. (2014). Neuronale Plastizität. Selbstmanagement—Ressourcenorientiert: Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), 66-83. Hosp, J. A., Triem, S., & Luft, A. R. (2010). Neurorehabilitation und Plastizität nach Schlaganfall. Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, 11(1), 32-35