Schlaganfall – und dann kam die Depression

Macher

Darstellung einer Frau, die sich an den Kopf fasst. Sie scheint Kopfschmerzen zu haben.

Schlaganfall – und dann kam die Depression

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Typische Symptome einer Depression sind gedrückte Stimmung, häufiges Grübeln, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und ein verminderter Antrieb. Es ist weitaus mehr als nur eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit.

Die Depression ist eine häufige Begleiterscheinung nach einem Schlaganfall. Die sogenannte „Post-Stroke-Depression“ tritt bei ungefähr jedem dritten von einem Schlaganfall betroffenen Menschen auf. Am häufigsten beginnt sie im 3. bis 6. Monat nach dem Schlaganfall. Diese Art von Depression hat negative Einflüsse auf das Ausüben von Aktivitäten des alltäglichen Lebens. Auch die Aufmerksamkeitssteuerung und die Speicherung von Informationen können beeinträchtigt sein. Dieser negative Einfluss zeigt sich besonders in der Rehabilitation: Bei Betroffenen mit einer Depression zeigen sich die Rehabilitationsmaßnahmen als deutlich weniger wirksam, da sie einfach keine Motivation aufbringen können und alles als hoffnungslos ansehen.

Es gibt viele vermeintliche Gründe, warum es so häufig zu einer Depression nach einem Schlaganfall kommt.

  • Psychologische Gründe sind unter anderem „reaktive Mechanismen“ wie Angst, Verlust des Selbstwertgefühls, Verleugnung oder eine Einschränkung der kognitiven oder geistigen Fähigkeiten.
  • Physiologische Prozesse in unserem Körper können eine Rolle spielen, auch wenn die genauen Ursachen bis heute nicht vollständig bekannt sind. Sicher ist jedoch, dass psychiatrische Vorerkrankungen oder neurologische Defizite, die schon vor dem Schlaganfall vorhanden waren, das Risiko an einer Post-Stroke-Depression zu erkranken deutlich erhöhen.
  • Weitere bekannte und mögliche Einflussfaktoren sind das Alter, das Geschlecht, der Ort der Schädigung durch den Schlaganfall im Gehirn und wie schwer die neurologischen Einschränkungen sind. Bei älteren Betroffenen tritt eine Depression deutlich häufiger auf als bei jüngeren und Frauen sind öfter betroffen. Ob der Ort der Schädigung im Gehirn einen Einfluss auf die Entwicklung einer Depression hat, wurde und wird in vielen Studien untersucht – bisher ohne eindeutige Ergebnisse. Viele Studien konnten aber zeigen, dass Menschen mit einer Depression stärkere neurologische Defizite bei der Sprache und der Orientierung hatten. Man könnte also vermuten, dass kognitive Defizite Depressionen auslösen können.

Die „Post-Stroke-Depression“ zeigt sich als eine langanhaltende Störung, die mehrere Jahre andauern kann. Ohne Besserung in der frühen Phase kann es zu einer chronischen Depression kommen, die die Lebensqualität und auch die Rehabilitation langfristig stark einschränkt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du als Betroffener dir schnell Hilfe suchst, wenn du depressive Symptome wahrnimmst.

Aber wie kannst du eine Depression überhaupt erkennen? Wenn dir mehrere der folgenden Dinge an dir oder Bekannten auffallen, ist es vermutlich notwendig, einen Arzt um Hilfe zu bitten:

  • Interessenverlust
  • keine Freudegefühle mehr
  • Schlaflosigkeit oder vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Energieverlust
  • Konzentrationsstörungen
  • langsameres Denken
  • Entschlusslosigkeit
  • Selbstvorwürfe/Schuldgefühle
  • pessimistische Gedanken
  • Selbstmitleid
  • Weinerlichkeit
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod bis hin zu Selbstmordgedanken (hier bitte sofort an den Arzt wenden oder die Telefon-Seelsorge anrufen: 0800 1110111)

Zur Behandlung der „Post-Stroke-Depression“ ist eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung sehr effektiv. Mit dieser Therapiekombination verbessern sich nicht nur die Symptome der Depression schneller, sondern auch die Lebensqualität und die soziale Einbindung.  Wie lange eine Behandlung sein sollte, ist bis jetzt noch nicht ausreichend bekannt. Wichtig ist, dass überhaupt eine Therapie stattfindet.

Allgemein scheint eine Psychotherapie für viele Menschen nach einem Schlaganfall sehr hilfreich zu sein, um mit den veränderten Lebensbedingungen umzugehen – um Hilfe für die Seele zu bekommen, musst du nicht erst an einer Depression erkranken!

Wenn du eine Psychotherapie beginnen möchtest, aber noch keinen passenden Therapeuten gefunden hast, lohnt es sich hier zu suchen:

https://www.therapie.de/therapeutensuche/ oder https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/nc/patienten/psychotherapeutensuche/  

Hier findest du verschiedene Therapeuten in deiner Nähe! Ansonsten kannst du auch immer deinen Hausarzt oder Neurologen fragen, ob Sie einen passenden Therapeuten für dich kennen. Um möglicherweise längere Wartezeit zu überbrücken bis du einen Platz bei einem Psychotherapeuten bekommst, kannst du auch ein digitales Angebot („App auf Rezept“) wie selfapy oder deprexis nutzen oder schauen, was deine Krankenkasse anbietet. Sprich hierzu am besten mit deinem Arzt des Vertrauens.

Quellen:

Dohmen, C., Garlip, G., Sitzer, M., Siebler, M., Malevani, J., Kessler, K. R., & Huff, W. (2006). Post-Stroke-Depression. Fortschritte der Neurologie· Psychiatrie74(05), 257-262.

Huff, W., Steckel, R., & Sitzer, M. (2003). Poststroke Depression. Der Nervenarzt74(2), 104-114.

Neuner, B. (2010). Erst der Schlaganfall, dann die Depression. CardioVasc10(6), 42-44.

Hager, K., & Ziegler, K. (1998). Studien der Krankheitsverarbeitung nach einem Schlaganfall. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie31(1), 9-15.